SBG Newsletter des Präsidenten 23/12/11 - Frohe Weihnacht Joyeux Noel
Geschrieben von: Stefan Hesse   
Samstag, den 24. Dezember 2011 um 15:19 Uhr

Dresden, den 23.12.2011, gegen 22 Uhr ...

Liebe Mitglieder der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,Chères amies, chers amis,

nun habe ich es doch nicht mehr geschafft, Ihnen einen langen, fantasiebereicherten Weihnachts-Rundbrief mit Jahresrückblick zu schreiben. Doch möchte ich es mir in quasi letzter Minute nicht nehmen lassen, Ihnen einen - wenn auch kurzen, vor allem aber persönlichen und rechtzeitigen - Weihnachtsgruß zukommen zu lassen.Sollten Sie immer noch nicht wissen, was Sie morgen bzw. über die Feier- und Ferientage kochen wollen, und steht Ihnen der Sinn nach französischer Weihnachtsküche, so kann ich Ihnen folgende Internetseite empfehlen: http://cuisine.notrefamille.com/recettes-cuisine/menu-de-noel-3153-u.html Dort erhalten Sie einen schmackhaften Einblick (auch mit Videos) in französische Weihnachtskochrezepte.

Hier in Dresden - und nicht nur hier - scheint der Winter, einer mit Schnee, noch weit zu sein; es ist zur Zeit meiner Zeilen ein wenig wie in der Bretagne. Dort ist Winterzeit in der Regel ohne Schnee, aber mit einer ganz eigenen Stimmung zwischen Land und Meer; auch diese hat den Dichter inspiriert. Der französische Schriftssteller Michel Le Bris (*1944), Gründer des berühmten internationalen Film- und Buchfestivals "Étonnants voyageurs" in Saint-Malo, kehrte einst im Winter an die Stätte seiner Kindheit zurück, in den kleinen bretonische Ort Plougasnou in der Bucht von Morlaix, im Département Finistère. Er beschrieb diese Winter-Pilgerreise in die Erinnerung unter dem Titel "Ein Winter in der Bretagne".  Wer Französisch lesen kann, hier die genauen Angaben des Taschenbuchs: "Un hiver en Bretagne" (Paris, Le Seuil, 1997, 192 Seiten, ISBN: 2-02-031016-3).

A propos Weihnachten in der Bretagne. Kennen Sie in der Bretagne die "Notre Dame de Tronoën"? Es ist eine kleine gotische Kirche mit dem ältesten Kalvarienberg der Bretagne (aus der Zeit um 1450), etwa neun Kilometer westlich von Pont-l¹Abbé im Département Finistère. Auf dem unteren Fries dieses Kalvarienberges können Sie zwei Figurengruppen entdecken, die zur Weihnachtszeit passen: die Geburtsszene und die Heiligen drei Könige. Die Geburtsszene ("La Nativité") ist von größter Originalität, denn sie zeigt Maria im Wochenbett mit nackter Brust und Jesus, nicht als Säugling, sondern als Weltkönig. Die im Mittelpunkt von umfriedeten Pfarrbezirken stehenden Kalvarienberge, eines der Wahrzeichen der Bretagne, erzählen "in beeindruckender Weise aus dem Leben und der Passion Christi, ergänzt durch vielfältigste Szenen und Geschichten, häufig mit Personen, die in der aktuellen Kleidung der damaligen Epoche dargestellt werden." Zitat aus: http://www.bretagne-tip.de/nord-bretagne/pfarrbezirke.htm - dort können Sie auch einige sehr schöne Aufnahmen anderer bretonischer Kalvarienberge entdecken.

Soviel zur bretonischen Weihnacht. Zum Schluss möchte ich Ihnen als kleine Gabe eine kurzweilige Lektüre unter Ihren Tannenbaum legen: den Essay "Frankreich, mon amour" von Klaus Simon aus dem "arte-Magazin" vom Januar 2012. (Aus Copyright-Gründen können wir ihn nicht auf unsere Webseite stellen)

Aus dem Text geht auch hervor, dass "arte" im Januar unter dem Obertitel ³Belle France² eine interessante Dokureihe über verschiedene französische Regionen sendet, darunter natürlich auch Sachsens Partnerregion, die Bretagne. Hier noch einmal extra die Sendetermine:

  • 16.1., 19:30: Die Provence
  • 17.1., 19:30: Rhône-Alpe
  • 18.1., 19:30: Midi-Pyrénées
  • 19.1.; 19:30: Auvergne
  • 20.1.; 19:30: Aquitanien
  • 23.1.; 19:20: Bretagne
  • 24.1.; 19:30: Centre
  • 25.1.; 19:30: Burgund
  • 26.1.; 19:30: Normandie
  • 27.1.; 19:30: Elsass

Mit diesen Hinweisen möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Ich wünsche Ihnen und den Ihnen Nahestehenden ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest, erholsame Tage zwischen den Jahren und einen "guten Rutsch" (kommt übrigens aus dem Jiddischen 'guten Rosch', will heißen guten 'Anfang bzw. 'Kopf')!

Joyeux Noël et bonne année !

Nedeleg laouen ha bloavez mad !

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoùIhr

Ingo Kolboom

Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 24. Dezember 2011 um 15:29 Uhr
 
SBG Ausstellung in Aues bretonischer Partnerstadt Guingamp
Geschrieben von: Annett Schreyer   
Dienstag, den 25. Oktober 2011 um 17:41 Uhr

Liebe Mitglieder der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,

am 25. Oktober wird in der Mediathek der bretonischen Stadt Guingamp, der jungen Partnerstadt der Erzgebirgsgemeinde Aue, die zweisprachige Ausstellung "Die Mauer und die friedliche Revolution in Aue" ("Le mur et la révolution  pacifique à Aue") eröffnet.

Die Ausstellung, die bis zum 9. November dauert, wird von verschiedenen kulturellen Veranstaltungen begleitet, so am 5. November mit der Vorführung des Dokumentarfilms "Neues in Wittstock" ("Du nouveau à  Wittstock") von Volker Koepp (1992).

Mehr Infos zum Film unter URL: http://www.progress-film.de.

Auch das wöchentliche "Sprachcafé" (café linguistique hebdomadaire) der Université catholique de l'Ouest (UCO) wird am 9. November in der Mediathek von Guingamp zu Gast sein und u.a. einen in Deutsch gehaltenen Gedankenaustausch zum Thema der Ausstellung mit der ursprünglich aus der DDR stammenden Frau Maria Brismontier organisieren. Siehe auch die Internetseite der Stadt Guingamp, URL: http://www.ville-guingamp.fr/

Im Übrigen freuen wir uns bekanntzugeben, dass am 14. September 2011 im Rathaus der Großen Kreisstadt Aue das "Städtepartnerschaftskomitee Aue/Sachsen e.V." gegründet wurde. Wir gratulieren.



Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù

Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 25. Oktober 2011 um 17:52 Uhr
 
Ile de Groix
Geschrieben von: Annett Schreyer   
Samstag, den 17. September 2011 um 00:00 Uhr

Korrektur: Die Ausstellung dauert vom 27.10.- 31.12.2011 im Institut français Dresden; und die Vernissage ist am 26.10. um 19:30 Uhr.

Die Ausstellung: http://www.institutfrancais.de/Brettonische-Linolschnitte-eine?mois=prochain

Das Buch zur Ausstellung und die Seite des Künstlers: www.linogravures.de

Update: Als Update noch ein paar Bilder von Concarneau und Douarnenez:

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Am 26. September 2011 wird eine vom Institut français Dresden in Zusammenarbeit mit der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft organisierte Ausstellung des Malers Hans von Döhren mit Motiven der bretonischen Insel "Ile de Groix" eröffnet. Wer sich für die Ile de Groix interessiert, dem sei schon jetzt die Fotogalerie des Pariser Fotografen Christian Gobeli empfohlen: http://picasaweb.google.com/despatin.gobeli, Album "Groix 2010" - Wir werden Sie

auf dem Laufenden halten.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. September 2011 um 06:48 Uhr
 
Reisebericht „Les Côtes d’Armor“ feiert ihr größtes „Fest Noz“, Plouha, Juli 2011.
Geschrieben von: Stefan Hesse   
Samstag, den 03. September 2011 um 08:48 Uhr

Von Seemänner, die wochenlang aufs Meer mussten, die „Frères Morvan“ und die Frage, ob man am Pommesverkaufsstand auch Bier bekommt.

„Les Côtes d’Armor“ feiert ihr größtes „Fest Noz“, Plouha, Juli 2011.

Ein Reisebericht von Heidi Henschel (Dresden)

Früher, als die bretonischen Seefahrer in ihrer „Vareuse“, die man heute immer noch stolz in der Bretagne für die Touristen trägt und bei denen die Knöpfe im Inneren angenäht sind, damit man sie beim `Fischnetz-Rausheben´ nicht abriss; als diese bretonischen Seefahrer damals noch wochenlang aufs Meer hinausfuhren, um dort Fische und andere essbares Meeresfrüchte zu fangen, veranstaltete man vor ihrer „Abfahrt“ in der Kapelle „Saint-Samson “ in Plouha am letzten Sonntag im Juli immer eine Messe, das „Pardon“. Dort weihte man die Matrosen, gab ihnen einen guten Segen mit auf den Weg, sang und die Seefahrer entschuldigten sich schon im Voraus bei Gott, da sie ja auf der hohen See sterben könnten. In einem von Dudelsack begleiteten Umzug verlagerte man die Festlichkeiten dann auf die angrenzenden Wiesen, um sich dort zusammen zu finden und das „Fest Noz“, das Fest in der Nacht, zu feiern. Vor 32 Jahren begann man mit dieser Tradition in Plouha und bis heute behält man diese bei, auch wenn niemand mehr wochenlang aufs Meer muss - feiern kann man ja aber trotzdem.

Am 31. Juli 2011 ging man diesem Brauch in Plouha, einer kleinen Stadt, im Département „Côtes d’Armor“, zwischen Saint-Brieuc und Paimpol gelegen, wieder einmal nach und ich verkaufte Pommes frites. Meine bretonische Gastfamilie, bei der ich schon sehr viel Zeit meines Lebens verbracht habe, ist bei solchen traditionellen Festlichkeiten immer sehr aktiv als „bénévol “ beteiligt und teilte mich nun eben, da ich einmal da war, bei den „Frites “ ein. 20 Uhr war wie immer diese Messe, gegen viertel zehn der musikalische Umzug mit Dudelsack und Klarinette, und ab halb zehn begrüßte man die Besucher auf den Wiesen.

Auffällig dabei, dass wirklich alle sozialen Schichten und alle Altersgruppen gemeinsam teilnehmen, feiern und tanzen und dass das Fest meist bis zu 2000 Leute versammeln kann. Bekannt und auch beliebt scheint es bei den Deutschen zu sein. Überall sah man sie tanzen, hörte sie kommentieren und aus allen Ecken drang Begeisterung an mein Ohr - auch die Feststellung, dass wir solch ein Volksfest nicht hätten, bei dem es um ein geselliges Beisammen geht, egal ob jung oder alt, Bauer oder Arzt.

Nachdem sich der Bretone erst einmal an den Verkaufsständen mit „Crêpes“, „Galette saucisse“, „Frites“ und „Riz au lait“ satt gegessen hat und sich mit „Cidre“ für den gesamten Abend eindeckt, versammelt er sich dann um das verlegte Parkett vor der Bühne. Dort beginnen auch schon die ersten, sich beim Nachbarn einzuhaken (meist nur mit dem kleinen Finger) und zur Dudelsackmusik zu tanzen. Diese bretonischen Tänze sind ja meist Reihen- und Kettentänze und vor allem die Schrittkombinationen wirken sehr rhythmisch und wirklich animierend. Es kann bald passieren, dass tausend Menschen, dicht am Tanznachbarn eingehakt, mit einmal denselben Tanz synchron tanzen und das ganze Fest von einer gewissen Dynamik erfasst wird. Großartig! Erst wirkte ich noch ein wenig erstarrt und konnte gar nicht richtig nachvollziehen, warum und zu welchem Zweck, wurde dann aber einfach untergehakt, in die Tanzrunde eingereiht und folgte den Schritten meiner Nachbarn. Wobei die Kombination zwischen Armen und Beinen, vor und zurück, dem Aufstampfen und Klatschen für mich an manchen Stellen so schnell nicht nachahmbar war, aber keiner beachtete dies; es war ja auch unwichtig, das einzige, was zählte, war das gemeinsame Tanzen und Feiern.

Neben diesem Tanzen musste ich mich ja auch noch um meinen Stand kümmern und die Bretonen bedienen, die doch tatsächlich Senf auf ihre Pommes kippen oder diese in ihr bereits mit „Merguez“ belegtes Sandwich hineinstopfen. Diese „Merguez“, eine dünne, ziemlich stark gewürzte, knallrote, aus dem Maghreb stammende Wurst, kann man aber auch alternativ in seine „Galette“, einen herzhaften Pfannkuchen, wickeln. Früher, als die Seemänner noch aufs Meer mussten, gab es ja jeden Tag nur Fisch. Um dennoch etwas Abwechslung auf den Teller zu bringen, buk man dann einmal in der Woche eine solchen „Galette“, aus Buchweizenmehl, welches schwarze Flecke an den Händen hinterlässt, und füllte sie mit Wurst und Fleisch. Auch wenn heute niemand mehr wochenlang aufs Meer muss, isst man meist mittwochs, am Markttag, „Galette Complète “ mit Schinken, Ei und Käse, wobei es auch hier schon Alternativen mit Lachs oder Champignons gibt. Alle essen das so und auch alle 2000 Besucher des Festes holten sich ihre Riesenportion Pommes für nur einen Euro bei mir ab.

Beim ersten „Fest Noz“ in Plouha buchte man die drei „Frères Morvan“, die schon seit 1958 die traditionellen bretonischen Lieder singen, als musikalische Unterhaltung; dieses Mal waren sie wieder dabei, wieder in ihren typischen karierten Hemden, als Zeichen ihrer Bauernabstammung, und mit ihren „Casquettes“, dieses Mal aber leider nur zu zweit. Das Besondere an dieser bretonischen Boyband ist, dass die über achtzigjährigen Männer natürlich in Bretonisch singen, aber a cappella, und sie ziehen damit alle in ihren Bann und die jungen Bretonen gehen zum Tanzen lieber zum „Fest Noz “ als in die Disko. Die zwei Brüder bleiben der Tradition dabei treu, da man die Lieder damals zu Seemannszeiten ohne Instrumente und Begleitung sang und nur a cappella an die nächste Generation weitergab. Der Rhythmus der Lieder der „Frères Morvan“ animiert einfach zum Mitwippen und zum Einreihen in die Tanzkette. Zu ihrer Hymne machten sie im Laufe der Zeit ihr Lied „Joli coucou“, wobei nur diese zwei Worte in Französisch gesungen werden, die anderen Textzeilen singen sie in Bretonisch. In diesem Lied geht es um einen Jungen, der Lehrer werden sollte, doch dies gefiel ihm nicht, und anstatt ins Klassenzimmer ging er lieber auf die Straße, um sich dort aufzuspielen, doch am Ende bekam auch er seine gerechte Strafe. Natürlich holten sich die beiden Brüder ihre Pommes bei mir ab.

Gegen zwei Uhr erblickte man dann nur noch den harten Kern auf dem Festgelände und die ersten kamen an und fragten an meinem Pommesstand, der als solcher wirklich überdeutlich gekennzeichnet war und mit der großen, roten Aufschrift „Frites“ auch bei den Deutschen für Verständnis hätte sorgen kann, nach Bier. An der Bar, wo meine Gastmutter arbeitete, goss man sich in trauter Runde ordentlich ein, philosophierte und die ersten schliefen unter den Tischen. In diesem Moment musste ich dann eben etwas traurig feststellen, dass sich die Einzigartigkeit dieses Fests zu späterer Stunde wohl von selbst aufhebt, der „Cidre“ seine Auswirkung zeigt und dass sich dieses Fest an diesem Punkt wohl auch nicht mehr von einem deutschen Volksfest unterscheidet.

Aber man kann ja auch einfach eher nach Hause gehen und diese angenehme Atmosphäre des Tanzens, der tollen, traditionellen Musik und des Beisammenseins in Erinnerung behalten.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. September 2011 um 08:53 Uhr
 
Nachrichten 9/2011 des Präsidenten der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.
Geschrieben von: Stefan Hesse   
Freitag, den 02. September 2011 um 06:32 Uhr

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft,

Nachdem ich nun meinen Umzug geschafft habe und auch meine Kommunikationsmedien wieder funktionieren, kann ich Ihnen wieder einige Kurznachrichten übermitteln; statt eines portointensiven postalischen Rundbriefes hier wieder in Form eines elektronischen Briefes.

Soeben erschien das September/Oktober-Heft der Zeitschrift "Frankreich erleben" (Nr. 35, 2011), worin Sie auf den Seiten 44 bis 53 einen Foto-Artikel über den Golf du Morbihan entdecken können. Über die Entstehung dieses bretonischen Naturparadieses südlich der Stadt Vannes berichtet eine der typischen bretonischen Legenden:

"Danach soll eine Gruppe von Feen aus dem nahen Forêt de Brocéliande vertrieben worden sein. Die Feen weinten daraufhin so stark, dass sich aus ihren Tränen die Meeresbucht bildete. Die Damen warfen ihre Blumenkronen ins Wasser. Diese brachen auseinander, schwammen auf der Wasseroberfläche und wurden zu Inseln." (ebenda, S. 44)

Diese bretonischen Legenden spürte auch der Schriftsteller Guy de Maupassant "herumstreunen" (rôder), als er die Bretagne, so auch den Golf von Morbihan, bereiste. Nachzulesen ist dies in seiner Reisereportage "Au soleil (En Bretagne)", wo er unter dem Datum Juli 1882 notiert:

"Der Morbihan, eine Art inneres Meer, das unter dem Druck der Gezeiten des großen Ozeans auf- und niedersteigt, erstreckt sich vor dem Hafen von Vannes. (...) Er ist voller Inseln, Druideninseln, geheimnisvolle, verwunschene Inseln. Auf ihren Rücken tragen sie Hügelgräber, Menhire und Dolmen, all diese seltsamen Steine, die wie Götter waren. Diese Inselchen sind, wie die Bretonen erzählen, so zahlreich wie die Tage im Jahr. Der Morbihan ist ein von Aberglauben durchrütteltes Meer. Das ist der große Reiz dieser Gegend; sie ist der Boden, auf dem die Legenden wachsen."

Frei übersetzt von mir; Originaltext abrufbar unter:

<http://fr.wikisource.org/wiki/En_Bretagne_(Au_soleil)>; als Buch unter dem Titel "Petits Voyages. En Bretagne, Aux eaux, Au Creusot, Etretat. Editions Durand-Peyroles, Bourneau 2009, ISBN 978-2-915723-08-3, 82 Seiten, 12 Euro.

Apropos bretonische Legenden. Viele dieser Legenden sind auch in den Volksliedern überliefert, deren schriftliche Überlieferung wir Théodore Hersart de la Villemarqué (1815 – 1895) verdanken. Seine in den Jahren 1839, 1845 und 1867 erschienene Sammlung bretonischer Lieder unter dem Titel "Barzaz Breizh" fiel in eine Zeit, in der das romantische Interesse für die Wurzeln des Keltentums neu erwachte und die Bretonen - bei gleichzeitiger Bedrohung durch den französischen Zentralismus - eine Renaissance ihrer kulturellen Identität erlebten. Hans Krützmann aus der Schweiz, der seit Juli 2011 eine außerordentlich interessante Webseite unter dem Titel "Barzaz Breizh -  Bretonische Volkslieder nach der Sammlung von Théodore de Villemarqué" betreibt, stieß auch auf unsere von ihm sehr gelobte Internetseite und schrieb uns: "Aus Liebe zu diesem wunderschönen Land und für die außerordentlich reiche und eindrückliche Kultur habe ich mir die Mühe genommen, die deutsche Übersetzung dieser Lieder wieder zugänglich zu machen. Schauen Sie doch einmal vorbei."

In der Tat, es lohnt sich, in die Homepage <BARZAZ-BREIZH.CH> von Hans Krützmann zu schauen, zumal nicht nur die bretonischen Liedertexte in bretonischer Sprache und deutscher Übersetzung erstmals wieder zugänglich gemacht werden. Sie finden dort auch eine kurze Geschichte der Bretagne; Informationen zu vertonten Liedern und Interpretationen aus dem Barzaz Breizh; Aufsätze zu verschiedenen in den Kommentaren der Lieder angedeuteten Themen; Literatur- und Quellenangaben; Links zu Musik, Kultur, Sprache, Landschaft, Geschichte; sowie eine Bildergalerie.

Unser auch im Sommer arbeitender Webmeister Stefan Hesse war schon so freundlich, diesen Link auf die Webseite unserer Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft zu stellen; Herr Krützmann seinerseits hat sich mit uns ebenfalls verlinkt!

Dem von ihm gelobten "wunderschönen Land" und dessen "außerordentlich reicher und eindrücklicher Kultur" verfiel auch eine meiner Studentinnen, die diesen Sommer in der Bretagne verbrachte. Als sie mich vor ihrer Abreise fragte, ob sie dort irgendetwas für mich und unsere Sächsisch-Bretonische Gesellschaft erledigen oder sonst irgendwelche Aufgaben oder Projekte übernehmen könne, bat ich sie um einen kleinen Reisebericht für unsere Gesellschaft. Dankenswerterweise vergaß sie meine kleine Bitte nicht und schickte uns einen kleinen Reisebericht, der so ganz in das Thema Musik und Kultur und in den mit zahllosen "Fest-noz" angereicherten bretonischen Sommer passt. Den Bericht von Heidi Henschel füge ich gerne diesem Email-Newsletter bei (siehe unten).

Zum Schluss  möchte ich Ihnen noch den französischen Spielfilm "Angèle et Tony" (2010) empfehlen; das Regiedebüt von Alix Delaporte läuft derzeit in unseren Kinos. Es spielt in einem kleinen Fischerdorf in der Normandie, doch wird jeder Bretagneliebhaber in diesem Film auch hier schon das Meeresrauschen an bretonischen Küsten erahnen. Und warum nicht auf dem Weg in unsere sächsische Partnerregion einen Halt in der Normandie einlegen? Die Haute-Normandie ist übrigens Partnerregion von Niedersachsen. Unsere besondere Liaison mit der Bretagne ist über jede Art von regionaler Nabelschau erhaben ...

Und zu guter Letzt eine brandneue Nachricht aus der ganz jungen sächsisch-bretonischen Städtepartnerschaft Aue-Guingamp: Die Erzgebirgegemeinde Aue wird eine Ausstellung über Mauer und Leben in der DDR in die Bretagne schicken. Sie wird zwei Wochen lang in Guingamp (25/10 - 9/11), dann in Rennes und schließlich in Quimper zu sehen sein. Wir werden darüber berichten.

Und bitte schauen Sie immer wieder einmal in unsere Internetseite <www.sachsen-bretagne.de> !

Ich wünsche Ihnen allen noch einen wunderschönen Restsommer.

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù

Ihr Ingo Kolboom

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. September 2011 um 08:47 Uhr
 
Sammlung Bretonischer Volkslieder
Geschrieben von: Stefan Hesse   
Montag, den 22. August 2011 um 06:33 Uhr

Heute kam eine Email von Hans Krützmann aus der Schweiz. Er betreibt seit Juli 2011 eine ausserordentlich interessante Website und ist bei seinen Recherchen auf die Sächsisch Bretonische Gesellschaft e.V. gestoßen. Auf seiner Seite findet sich eine umfangreiche Sammlung von volkstümlichen Liedern aus der Bretagne.

Herr Krützmann sagt über seine Seite: "Aus Liebe zu diesem wunderschönen Land und für die ausserordentlich reiche und eindrückliche Kultur habe ich mir die Mühe genommen die deutsche Übersetzung dieser Lieder wieder zugänglich zu machen. Schauen sie doch einmal vorbei"

Und jetzt der Link: http://barzaz-breizh.ch/index.php

 


Zuletzt aktualisiert am Montag, den 22. August 2011 um 06:41 Uhr
 
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